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Carsten Bange

Willkommen bei meinem Blog im BeyeNETWORK. Dies ist kein Social Blog, also werde ich Ihnen beispielsweise nicht schreiben, wie ich das Essen auf der letzten BI-Konferenz fand. Vielmehr möchte ich den Web Log zur Konservierung von Eindrücken und Neuigkeiten zu Business Intelligence Lösungen und Anbietern nutzen, explizit auch zu Lösungen, die nicht alle ausführlich getestet und in die BARC Studien aufgenommen werden können. Feedback ist immer willkommen! Schreiben Sie mir unter carsten.bange@barc.de

Über den Autor >

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

Open Source macht Schule: Winterheller Software, einer der führenden Planungssoftwareanbieter im deutschsprachigen Raum, wird ab Montag, 4.5. die Einzelplatzversion seines etablierten Werkzeuges Professional Planner lizenzkostenfrei zur Verfügung stellen. Diesen Ansatz kennen wir aus dem Open-Source-Bereich.

Es soll keine Beschränkung der Funktionalität geben, sondern eine Vollversion inklusive einer Beispielumgebung als Vorlage für das eigene Planungsmodell zum kostenlosen Download angeboten werden. Das bedeutet, dass Kunden ein durchaus leistungsfähiges Planungswerkzeug mit integrierter Erfolgs-, Finanz- und Bilanzplanung kostenlos nutzen können.
Dies ist ein interessanter Schritt, da wir die Einzelplatzversion des Werkzeuges als "Brot und Butter" Geschäft von Winterheller gesehen haben mit dem seit vielen Jahren gerade kleinere Unternehmen, Steuerberater u.ä. gearbeitet haben. Insofern könnte das Werkzeug für die Anforderungen kleinerer Unternehmen (ca. bis 100-200 MA) bei denen die Planung in der Hand einer Person liegt schon völlig ausreichen.

Offensichtlich wählt Winterheller nun ein ähnliches Marktzugangsmodell wie Open Source Anbieter: Wichtigstes Ziel ist zunächst eine hohe Verbreitung zu erreichen, um dann durch Zusatzangebote wie Consulting und lizenzpflichtigen Softwarelösungen für den umfangreicheren betrieblichen Einsatz Geld zu verdienen.
Im Fall von Winterheller werden neben Beratungsleistungen ergänzend die Mehrplatz-/Server-Version des Professional Planner, ein Analyseprodukt (OEM von Cubeware) und das neue Konsolidierungsprodukt kostenpflichtig angeboten. Bis Ende des Jahres soll auch eine neue Planungslösung für die dezentrale Planung in größeren Umgebungen entwickelt werden (s. mein Blog-Eintrag von gestern).
Insofern ist die Strategie offensichtlich: Niedrige Hürde für den Einstieg und Test des Werkzeuges aus Kundensicht und Bündelung der Vertriebskräfte auf größere Unternehmen aus Herstellersicht. Klingt zunächst schlüssig, da gerade im kleinen Unternehmensbereich zum einen sicherlich sehr viel direkt in Excel gemacht wird und andererseits sehr viele Anbieter mit mehr oder weniger umfangreichen Lösungen im Markt agieren.
Die Kunden wird dieser Schritt freuen, spannend wird sein zu beobachten wie die Konkurrenten von Winterheller, allen voran Erzrivale Corporate Planning, reagieren werden.


Posted 30.04.09 1:15
Permalink | 6 Kommentare |

6 Kommentare

Lieber Dr. Bange,

zur Ergänzung: die kostenfreien Lizenzen sind alles andere als "Open Source". Dazu fehlen sowohl der Zugang zum Source Code und in besonderem Maße die Möglichkeit, sich eigenständig über die Einrichtung, Nutzung und Erweiterung über öffentliche Quellen zu informieren.

Ebenfalls als Zusatz: es wird 2 Varianten geben. Die kleinere Variante, wie der Hersteller mitteilt, für Unternehmen bis ca. 50 MA gedacht, ist ohne Registrierung, die größere, angedacht bis ca. 250 MA, ist nur mit einer Registrierung verfügbar.

Wie Sie wissen sind wir, die Dreamteam Solutions GmbH mit Sitz in München, lange schon Partner von Winterheller Software und können diesen Schritt grundsätzlich nur begrüßen. Allerdings sei auch kritisch angemerkt, dass eine Information an die Partner auch nur unwesentlich früher erfolgte, als Sie und andere es wussten.

Aus meiner Sicht bleibt abzuwarten, wie sich die Lizenzen im Live-Betrieb beim Kunden tatsächlich behaupten. Denn auch hier ist im Gegensatz zu Open-Source-Lösungen nicht aus der Kundensicht allein heraus entwickelt worden, sondern vielmehr wurde, sicher auch durch die Partnerschaft mit Jeddox getrieben, auf ein Modell aufgesetzt, dass die Verbreitung steigern soll.

Im schlimmsten Fall kann eine solche Verbreitung natürlich auch "nach Hinten" losgehen, wenn die entsprechenden Rahmenparameter vernachlässigt werden.

In jedem Fall bleibt es wahnsinnig spannend, was sich in der Controlling-Software-Welt tut :-)

Herzliche Grüße,
Tom Hillebrand

Hallo Herr Hillebrand,
danke für die Ergänzungen und Gedanken dazu. Völlig richtig: Es ist nicht Open Source, nur einige Ideen werden hier übernommen.
Zum Thema "nach hinten losgehen" sehe ich generell die größte Gefahr in einem Abschrecken der User durch fehlende Einweisung. Winterheller hat angekündigt, hier Beispielmodelle mitzuliefern, die es einfacher machen sollen. Wie weit das geht und funktioniert muss man natürlich erst einmal sehen. Ihr Feedback in einigen Wochen/Monaten dazu würde mich auf jeden Fall interessieren.
Gruß,
Carsten Bange

Wie im Beitrag erwähnt liegt das Geschäftsmodell jeder Gratis-Software (ob nun Open Source oder Closed Source) im Verkauf von Zusatzangeboten.
Ich habe mir gerade mal die Preise der Zusatzangebote zur PP Gratisversion angeschaut:
Excel-Integration: 1.990 Euro
Support: 990 Euro/Jahr
Schulung 2 Tage: offene Gruppe 899 Euro, individuell 1.990 Euro.

Interessanterweise kostet die Excel-Integration also genauso viel, wie früher die Basisversion von Professional Planner (inkl. Excel-Connector), nämlich 1.990 Euro.

[Nachträgliche Ergänzung]: Hier ist die vormals angebotene "Basic Version" des Professional Planners gemeint, die inhaltliche/strukturelle Beschränkungen aufwies.
Die jetzt angebotene "Free" Version entspricht funktional dem Standard Professional Planner. Der Preis für eine Einstiegsversion des Standard Professional Planners liegt bei 5.000 Euro, womit der Support-Preis (18% auf diesen Lizenzpreis) jetzt etwas höher liegt (990 statt 900 Euro).
Dieser Named User Preis von 5.000 Euro kommt dann zu tragen, wenn Anwender von der nun frei verfügbaren Einzelplatzversion auf eine netzwerkfähige Version umsteigen wollen.

Danke für die Recherche.

Irgendwo mußte ja ein "Haken" sein. Ich hatte in der falschen Richtung gesucht (Rechenlogik, Strukturelemente,...).

Excel ist für viele Anwender immer noch die "informationstechnische Basis" ihrer Ausbildung. Da ist die Excel-Integration sicherlich ein wirkungsvoller Ansatz für späteren Umsatz.

Nur wer den Planner (und ähnlich aufgebaute Tools) mal verstanden hat sieht die Risiken von Excelkonstruktionen und meidet sie möglichst.

So könnte der "Schuß" von Herrn Hildebrand auch noch in einer späteren Phase "nach hinten losgehen".

Wer sich, mit oder ohne Berater, durch die üblichen Verständnisprobleme beim Planner durchgearbeitet hat kann auf die angebotene Excel-Integration verzichten.
Oder wird sie sogar bewußt meiden.

@ zur nachträglichen Ergänzung:

wenn der Planner erst mal so gut im Betrieb läuft dass Bedarf nach Netzzugriff besteht wird es schon noch was werden mit den Lizenzumsätzen.

Obwohl; viele Einplatzkämpfer im Controlling sind vielleicht zufrieden wenn "aus lizenztechnischen Gründen" nicht an ihren Datenbanken verschlimmbessert werden kann.

Sehr geehrte Damen und Herren,

ich begrüße den Schritt der Fa. Winterheller, den Planner in einer Einzelplatzversion zu veröffentlichen-sehr!

Klar lässt sich über die Definition von Open-Source und Closed-Source philosophieren-die Möglichkeit für viele klein und kleinst Unternehmen, mit einer professionellen Planungslösung zu arbeiten, bedingt nicht der Kenntnisse des Codes;)

In Wirklichkeit geht es um die Funktionalität und dass sich hier der Professional Planner nicht verstecken muss, sollte allen Controllern bekannt sein.

Wir als Implementierungspartner von Professional Planner und auch QlikView sind über diesen Schritt mehr als erfreut, so können selbst investitionsscheue Kunden durch den "proof-of-concept" durch den realen Nutzen diese Scheu verlieren.

Liebe Grüße aus Wien

Philipp Frenzel

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