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Carsten Bange

Willkommen bei meinem Blog im BeyeNETWORK. Dies ist kein Social Blog, also werde ich Ihnen beispielsweise nicht schreiben, wie ich das Essen auf der letzten BI-Konferenz fand. Vielmehr möchte ich den Web Log zur Konservierung von Eindrücken und Neuigkeiten zu Business Intelligence Lösungen und Anbietern nutzen, explizit auch zu Lösungen, die nicht alle ausführlich getestet und in die BARC Studien aufgenommen werden können. Feedback ist immer willkommen! Schreiben Sie mir unter carsten.bange@barc.de

Über den Autor >

Dr. Carsten Bange ist geschäftsführender Gesellschafter des Business Application Research Centers (BARC). Er ist seit mehr als 10 Jahren für nationale und internationale Unternehmen verschiedenster Branchen und Größen im Rahmen der Strategie- und Architekturberatung, Werkzeugauswahl und Qualitätssicherung in Business-Intelligence- und Datenmanagement-Projekten tätig. Als neutraler Beobachter des Softwaremarktes ist er ein häufiger Redner bei Tagungen und Seminaren sowie Autor zahlreicher Fachpublikationen und Marktstudien.

Auf Computerwoche Online ist seit gestern die Lünendonk-Liste "Top 15 der Anbieter für Business-Intelligence-Standardsoftware" 2008 in Deutschland zu sehen. Jedem halbwegs Vertrauten mit dem Business-Intelligence-Markt in Deutschland stellt sie sich sofort als groben Unfug dar:
1. Vier der fünf größten BI-Anbieter in Deutschland fehlen: SAP, Oracle, IBM, Microsoft - das sind ungefähr 50% des Umsatzes des BI-Softwaremarktes in Deutschland.
2. Das Aufnahmekriterium für eine Aufnahme in die Liste ist: „Mehr als 50% des Umsatzes werden mit der Produktion, Vertrieb und Wartung eigener Business-Intelligence-Software-Produkte erzielt“. Dies ist offensichtlich nicht erfüllt bei Sybase (als Nr. 2 der BI-Anbieter in Deutschland ausgewiesen), deren Hauptumsatz in einer relationalen Datenbank für operative Anwendungen und mobilen Applikationen liegt – der Business-Intelligence-bezogene Umsatz dürfte geringer als 10% sein, Orbis (Nr. 5 der Liste), die ihren Hauptumsatz mit ERP und CRM-Einführung machen und Novem (Nr. 13), die IBM Cognos Software weiterverkaufen. Bei CSS ist es eine Definitionsfrage, welche der angebotenen Lösungen überhaupt dem Segment Business Intelligence zugeordnet werden können.
3. Wenn das Aufnahmekriterium in die Liste die Produktion, Vertrieb und Wartung von Standardsoftware ist, dann sollte sich der Umsatz folgerichtig auch auf dieses Tätigkeiten beziehen. Die ausgewiesenen Umsätze sind aber offensichtlich Gesamtumsätze inklusiver weiterer Leistungen wie Implementierungsberatung. Der Anteil des eigentlichen Softwareumsatzes ist aber bei den aufgeführten Anbietern höchst unterschiedlich und schwankt zwischen 55 und 95%. Damit sind die Anbieter aber zumindest hinsichtlich einer Aussagekraft für "Anbieter für Standardsoftware" nicht anhand ihres Gesamtumsatzes vergleichbar.

Fazit: Es fehlen 4 der Top 5 Anbieter, es finden sich in den angeblichen Top 15 Anbietern 3-4, die nach Aufnahmedefintion gar nicht auftauchen dürften und es wird nicht unterschieden zwischen Beratungs- und Softwareumsatz.
Diese „Top 15 der Anbieter für Business-Intelligence-Standardsoftware“ erhöht nicht die Markttransparenz, sondern stellt den BI-Markt in Deutschland fundamental falsch dar.



luenendonk 2008.jpg

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Bildquelle: Computerwoche, 5.6.2009


Posted 5.06.09 9:06
Permalink | 4 Kommentare |

4 Kommentare

Lieber Herr Dr. Bange,

Ihrer Analyse "Unfug" kann man voll und ganz zustimmen. Was da in den Topf geworfen wurde ist eine sehr seltsame Mischung.

Den Markt, die Märkte (BI, DWH, ETL, Quality, Datenbank, Dienstleistung ...) abzugrenzen ist schon eine Herausforderung an sich.

Warum publiziert ein sonst so seriös wirkende Publikation wie die Computerwoche so einen Schrott und demontiert sich damit selbst?

Wolfgang Hürter

Die Computerwoche hat heute reagiert und folgenden Kommentar an ihren Artikel angehängt:

Anmerkung der Redaktion : Nachdem es Kritik an der Auswahl der Anbieter in der Lünendonk-Liste gegeben hat, hat die Geschäftsleitung reagiert und auf Anfrage der COMPUTERWOCHE eine Panne eingeräumt: "Die Unternehmen Sybase, Novem und Orbis erfüllen die Listenkriterien nicht. Diese Unternehmen waren auf einer Beta-Version des Rankings enthalten, die intern zur Prüfung vorlag. Diese Version ist bedauerlicherweise in den Markt gegangen. Dies werden wir umgehend korrigieren", so Jörg Hossenfelder, Geschäftsführer Lünendonk.

"Traue keiner Statistik, die du nicht selbst erstellt (gefälscht) hast." ;-)

Auch bei folgendem Business-Intelligence-Artikel der ComputerWoche stimmt die Recherche-Qualität nicht (siehe Leserkommentare unter dem Artikel):

http://www.computerwoche.de/knowledge_center/business_intelligence/1893509/

In meinen Augen läßt sich die ComputerWoche dort von einzelnen Unternehmen zu PR- und Werbezwecken mißbrauchen, selbst wenn dabei andere Unternehmen und Produkte in unfairer Weise falsch dargestellt werden. Kein Beispiel für guten Journalismus.

Wolfgang Meinhard

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