Die Ergänzung seines analytischen Portfolios ist IBM einiges Wert: Für den Data Mining und Predictive Analytics Anbieter SPSS werden lt. Reuters mit 1,2 Milliarden Dollar immerhin 42% über dem Schlusskurs des letzten Tages und das 25fache des erwarteten Gewinns dieses Geschäftsjahres bezahlt.
IBM ist schon einmal mit dem Intelligent Miner im Data Mining Markt angetreten. In unserer BARC-Studie zu Data Mining Software im Jahr 2000 haben wir den Intelligent Miner neben dem SAS Enterprise Miner als technisch/funktional marktführendes Produkt eingestuft.
Der Erfolg war dennoch eingeschränkt, was weniger am Produkt als an der Vermarktung lag. IBM zog sich sukzessive aus dem Data Mining Markt zurück und zeigte in den letzten Jahren nur noch eingeschränkten Fokus auf dieses Thema in einigen Speziallösungen. In der Ankündigung der Übernahme wird Intelligence Miner nun nur noch als Ausführungskomponente von SPSS Modellen erwähnt, was man sich z.B. in einer Scoring Engine vorstellen kann.
Mit der Akquisition von Cognos änderte sich das Bild für IBM. SPSS war bereits OEM-Partner von Cognos und ergänzt das Cognos Portfolio um fortgeschrittene Analysemethoden. Analysemethoden sind ein Schwachpunkt bzw. Lücke im Portfolio von Cognos, die sich stärker auf Reporting und einfache Datenanalyse konzentriert haben. Somit ergibt sich eine gute Ergänzung. Fortgeschrittene Analyse adressiert die Frage, wie man aus bestehenden Datensammlungen, Data-Warehouse- und Business-Intelligence-Systemen mehr Information und bessere Entscheidungsgrundlagen generieren kann. Das ist sicherlich ein interessantes Gebiet und mit der fortschreitenden Bedeutung von prozessorientierter und zeitnaher Analyse immer relevanter.
Unangenehm ist diese Übernahme insbesondere für SAS und SAP.
SAS konzentriert sich stark auf Datenmanagement und fortgeschrittene Analyse. IBM ist nun in beiden Bereichen sehr stark aufgestellt. Auch wenn momentan das Portfolio und die Marktdurchdringung der analytischen Applikationen von SAS sowohl für bestimmte Aufgabenstellungen wie analytisches CRM als auch für bestimmte Branchen, insbesondere im Finanzdienstleistungsbereich, deutlich stärker ist, kann SAS hier stärker unter Druck kommen.
SAP Business Objects hatte eine sehr enge Partnerschaft mit SPSS, da auch SAP wie IBM Cognos eine entsprechende Lücke im Portfolio für fortgeschrittene Analyse / Data Mining hat. Hier muss sich SAP BusinessObjects nun umorientieren und wird sich vielleicht eher in Richtung kleinerer Anbieter wie KXEN umschauen.
Posted 28.07.09 8:04
Permalink | 1 Kommentare |




Die SAP will wohl SPSS weiter integrieren. Hier ist die offizielle Verlautbarung zum SPSS Kauf durch IBM:
IBM’s decision to acquire SPSS validates SAP’s early investment in, and commitment to, the predictive analysis market. Based on an existing and long-term OEM agreement with SPSS, SAP includes SPSS PASW Modeler as part of our predictive analytics solution offerings. We enhanced the technology with connectivity to our market leading BI platform, offering business analysts a wide range of statistical and mining features leveraging all data accessible through our patented semantic layer.
SAP's partnership with SPSS is working well and we do not expect IBM’s intended acquisition to have an impact on this relationship. We have a growing number of customers as a result of this agreement and we will continue to partner with IBM and evolve our predictive services portfolio to meet the needs of our customers.
SAP BusinessObjects helps customers today with predictive analysis capabilities to better understand and segment their customers, identify their propensity to buy, reduce risk for customer churn, optimize marketing programs, develop product bundling strategies, and much more. Our strategy is to provide predictive analysis features for all of us and not just expert statisticians and analysts who have traditionally used more complex tool sets. This requires new and innovative approaches in a market that is still evolving, and as the market leader in Business Intelligence we are committed to delivering the solutions our customers need to have clear line of sight, particularly in the current challenging business environment.