Teradata und SAP kündigten kürzlich eine engere Partnerschaft an, die neben Vertrieb und Marketing auch eine weiter verstärkte Zusammenarbeit auf technologischer Ebene mit sich bringt. Ab 2010 soll die Teradata Datenbank auch direkt als Datenbank für SAP BW einsetzbar sein (BW als Applikation kann seine Nutz- und Metadaten bisher nur in Oracle, IBM, SAP und Microsoft Datenbanken speichern). Teradata ist weiterhin Reseller für BusinessObjects-Werkzeuge, auch nach der Übernahme von Business Objects durch SAP.
Die Ankündigung befeuerte wieder die Gerüchte über eine mögliche Übernahme von Teradata durch SAP. Egal ob als Partner oder als Angebot aus einem Haus, passen die beiden Unternehmen und Lösungsportfolios aus verschiedenen Gründen gut zusammen:
1.) Marktpositionierung und Konkurrenz
Sowohl SAP BusinessObjects als auch Teradata haben seit 2007 die sogenannten „Full stack“ Anbieter IBM, Oracle und Microsoft als Haupt-Wettbewerber. Diese drei bieten sowohl BI-Anwenderwerkzeuge als auch Datenbanken und Datenintegrationstechnologien. Teradata ist konzentriert auf eine hochskalierbare Datenbank für Data Warehousing; Business Objects liefert traditionell Datenintegrations- und Anwenderwerkzeuge - also genau die komplementären Komponenten zur Datenbank von Teradata. Das SAP BW auf der anderen Seite wird strategisch von SAP BusinessObjects immer klarer als analytische Applikation für SAP-Daten positioniert. Damit propagiert SAP einen „hybriden“ Ansatz. Dieser lässt Kunden die Freiheit, entweder den DWH-Applikationsweg über SAP BW oder den Weg des offenen Data Warehouse über eine Datenbank zu gehen. Die bisher zertifizierten Datenbankanbieter der SAP für BW – Oracle, Microsoft, IBM – sind genau die Hauptwettbewerber im BI-Markt. Insofern ist die Partnerschaft mit Teradata ein Weg, ein komplettes Angebot ohne die Einbindung der Wettbewerber in den Markt tragen zu können. Schon heute nutzen immerhin 40 der größten 100 SAP-Kunden nach Aussage der SAP auch Teradata.
2. Grundsätzliche Möglichkeit einer Übernahme
SAP macht Business Intelligence – zumindest auf den letzten Kundenkonferenzen – zu dem Top-Thema der SAP für die Zukunft. Das Thema wird im SAP-Vorstand von John Schwartz, ehemaligen CEO von Business Objects, verantwortet, der gleichzeitig auch für Übernahmen verantwortlich zeichnet. Insofern sind punktuelle Zukäufe der SAP im Business Intelligence Portfolio durchaus möglich.
Teradata ist ein Übernahmekandidat: NCR hat sein Datenbank/DWH-Appliance Geschäft mit Teradata als eigenständige Tochter an die Börse gebracht und damit den Weg für eine einfache Übernahme freigemacht. Das Angebot ist konzentriert auf die Spezialdatenbank Teradata und wurde in den letzten Jahren auch nicht um Zukäufe in Richtung einer kompletten BI-Plattform ergänzt – in Kombination mit Informatica als Datenintegrationsplattform und einem Anwenderwerkzeug wie MicroStrategy würde sich beispielsweise ein weiterer sehr starker Komplettanbieter für BI ergeben. Die Spezialisierung auf eine high-end Datenbank und die Distributionsform als Data-Warehouse-Appliance, aber auch ein interessanter Kundenstamm und eine schlagkräftige Service-Einheit machen aus Teradata einen interessanten Kandidat für einen punktuellen Zukauf anderer Anbieter.
Gegen eine Übernahme sprechen drei Faktoren:
1.) Die aktuelle wirtschaftliche Lage sorgt einerseits für günstige Bewertungen von Übernahmekandidaten, andererseits für die Notwendigkeit, Liquidität und Reserven von Unternehmen zusammenzuhalten.
2.) Ganz preiswert wird der Zukauf nicht, SAP könnte auch einen spezialisierten kleineren Appliance-Anbieter übernehmen, wenn es nur um die Technologie geht.
3.) Viele Kunden – gerade in Deutschland – haben nicht den Eindruck, dass SAP den größten Zukauf seiner Geschichte – Business Objects – organisatorisch schon verdaut hat. Organisatorisch könnte eine erneute Übernahme also zu weiteren Herausforderungen führen.
3. Vision und Ausrichtung
Teradata treibt seit vielen Jahren das Konzept des aktiven Data Warehouse für operative und eingebettete BI. Die Teradata Datenbank wird in diesem Szenario eine Plattform, die große Datenmengen in kurzen Zyklen aufnehmen und analysieren kann z.B. von Sensordaten. Außerdem werden die in die Datenbank eingebetteten Ausführungsmöglichkeiten von Prozessen zur Datentransformation und –analyse verstärkt. Diese Möglichkeiten zur engeren Verzahnung mit operativen Prozessen passen offensichtlich gut zur SAP als Marktführer operativer Anwendungen.
SAP BusinessObjects selbst hat sicherlich den Anspruch, dem Erzrivalen Oracle aber auch den anderen großen Anbietern ein umfassendes und leistungsfähiges Angebot entgegenzustellen. Erste Schritte in die Datenspeicherebene werden mit dem BW Accelerator, einer spaltenorientierte In-Memory-Datenbank gemacht. Dies ersetzt in seiner momentanen Aufstellung als Akzelerator oder Analyseappliance (noch?) keine volle Data-Warehouse-Plattform. Genau hier kann sich Teradata als Best-of-breed Anbieter gut einfügen.
4. Technologie
Bereits heute können Teradata Datenbanken und SAP BW-System über einen speziellen Konnektor miteinander verbunden werden. Als Data-Warehouse-Applikation benötigt SAP BW aber immer eine weitere relationalen Datenbank zur Speicherung seiner Daten. Die aktuelle Ankündigung zielt nun darauf ab, SAP BW (ab Version 7.2) auch mit Teradata (ab Version 12) als Datenbank betreiben zu können. Betreiber älterer SAP BW Versionen werden für diese Option somit um ein Update nicht herumkommen.
Eine so geschaffene gemeinsame Plattform für SAP BW und offene Data Warehouse erleichtert vor allem den Betrieb. SAP BW Kunden können von einer leistungsfähigen Datenbank profitieren und vor allem Verbesserungen im Bereich Antwortzeitverhalten und allgemeine Skalierbarkeit hinsichtlich Datenvolumen und Abfragelast erwarten. Eine ähnliche Architektur ist heute nur im Rahmen der partitionierten Version der IBM DB2 für SAP BW verfügbar. Inhaltlich werden SAP BW Systeme und Data Warehouses in Teradata aber getrennt bleiben, was die Vorteile überwiegend auf die technischen Aspekte konzentriert. Ergebnis ist aber sicherlich auch eine verstärkte Diskussion in Unternehmen, ob neue Anforderungen eher in SAP BW oder auf einer offenen Datenbank wie Teradata umgesetzt werden sollen.
Fazit
Teradata als Datenbankspezialist bekommt einfacheren Zugang zu SAP-Kunden und formt eine engere Partnerschaft mit SAP BusinessObjects, deren Kern-Angebot an Datenintegrations- und BI-Anwenderwerkzeugen die Datenbank gut ergänzt.
SAP vollzieht erste Schritte seiner neuen Strategie für Data Warehousing, die auch eine Offenheit für verschiedene Datenbankanbieter vorsieht. BW-Kunden können durch die Ausführung der Applikation auf Teradata als massiv parallele Datenbank eine gute Unterstützung von Performance und Skalierbarkeit erwarten, die in ähnlicher MPP Architektur heute nur mit einer partitionierten IBM DB2 angeboten wird. Die neue Partnerschaft bedeutet auch eine einfachere Umsetzungsmöglichkeit einer „hybriden“ Data-Warehouse-Strategie, bei der SAP BW neben einem „offene“ Data Warehouse auf Basis einer relationalen Datenbank betrieben wird. Weitere ähnliche Partnerschaften können folgen, z.B. mit anderen Anbietern von DWH-Appliances und analytischen Datenbanken wie HP, Sybase oder Netezza.
Posted 13.07.09 13:11
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