January 14, 2010 12:53 PM
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Immer wieder versuchen Unternehmen mit Standardwerkzeugen sehr spezielle und spezifische Anforderungen umzusetzen. Standardwerkzeuge werde dabei nicht selten soweit "verbogen", dass die eigentlichen Standardfunktionen nur noch mäßig funktionieren. Erweiterungen, Modifikationen und zum Teil Eingriffe in den Quellcode verschulden am Ende nicht selten einen teuren und aufwändigen Betrieb.
Grundsätzlich gibt es neben den klassischen Standardwerkzeugen für Business Intelligence auch "BI-Entwicklungswerkzeuge":


Vor einiger Zeit besuchte uns HumanIT im BARC Labor um InfoZoom zu präsentieren. Die HumanIT Software GmbH mit Sitz in Bonn wurde 1997 als Spin-off der Gesellschaft für Mathematik und Datenverarbeitung (heute Fraunhofer Institut für Angewandte Informationstechnik FIT) gegründet. Seit 2003 ist HumanIT eine 100%ige Tochter des ERP-Anbieters proALPHA Software AG. HumanIT entwickelt und vertreibt das Produkt InfoZoom. Neben einem Direktvertrieb wird das Produkt zusätzlich über Partnerunternehmen vertrieben. Stärken von InfoZoom sind das Data Profiling und der schnellen Übersicht über große Datenmengen. Reportingfunktionen, welche allerdings nur eingeschränkt vorhanden sind, ergänzen den Lösungsumfang. Mit diesem Portfolio erweitert InfoZoom unterschiedlichste Anwendungen wie z.B. ERP, CRM oder das System Management um BI-Funktionalität. Das Konzept von HumantIT kann als "Visuelle Business Intelligence" bezeichnet werden.
Das Frontend von InfoZoom bietet dem Anwender drei verschiedene Datensichten:

Datenanalyse und Navigation
InfoZoom wird separat auf jedem Client-Rechner installiert (Windows-Versionen ab 2003), eine Client-Server-Version existiert nicht. Zu Analysezwecken werden Daten aus einer oder mehreren Datenquellen in den Hauptspeicher (In-memory) des Client-Rechners geladen, wobei durch das Joinen von Quelltabellen eine große Tabelle gebildet wird.
InfoZoom ist ein interessantes Werkzeug zur Ergänzung großer BI-Suiten, da der Ansatz der "Visuellen Business Intelligence" die einfache Auswertung und Analyse großer Datenmengen erlaubt. Das BARC Lab arbeitet gerade an einer ausführlichen Beschreibung für unsere BI Studie.
MicroStrategy (MSTR) kuendigte juengst den Release von MicroStrategy 9 an. Auf der MircoStrategy World 2009 konnte ich mir einen ersten Eindruck von den neuen Funktionen und Erweiterungen machen. Eine erste detailierte Einschaetzung finden Sie in Kuerze in unserer BI Studie - eine erste Zusammenfassung hier im Blog. Insgesamt besuchten die Tagung ueber 1000 Besucher, eine leicht ruecklaeufige Zahl im Vergleich zu 2008. Dies ist laut MSTR primaer der aktuellen Wirtschaftskrise zu zuschreiben und nicht einem sinkenden Interesse an BI. So muessen sich laut MicroStrategy zahlreiche Kunden und Interessenten aufgrund der Sparmassnahmen ihrer Unternehmen mit Reisen und Tagungsbesuchen zurueckhalten.
MicroStrategy stellte schon vor einigen Monaten eine neue Komponente ihrer Plattform zum Aufbau von Cockpits und Dashboards vor. Dies ist eine echte Erweiterung der Funktionalitaet und bedeutete auch fuer viele Bestandskunden einen klaren Vorteil. Fokus von MSTR lag bei der Entwicklung auf einer moeglichst tiefen Integration der Dashboard- und Grafik-Engine in die Architektur der BI-Plattform. So laesst sich beispielsweise eine Vielzahl von bestehenden Berichten einfach von der bisherigen Darstellung als HTML-Bericht auf die Flash-Technologie umschalten. Fuer Release 9 wurde im Vorfeld schon gemunkelt, dass die Neuerungen eher technische Erweiterungen sein werden und nicht primaer fuer den Endanwender in Form von neuer Funktionalitaet sichtbar sein werden. Wie gemunkelt so eingetreten - viele Neuerungen betreffen die Architektur der Plattform und Technologie in Release 9.
Neues Web-Frontend im Office 2007 Stil
Einige Erweiterung fuer den Endwender wird es trotzdem geben. Mit dem neuen Release verfolgt die Entwicklungsabteilung von MSTR weiterhin das Konzept sich an den Oberflaechen von Microsoft Office zu orientieren - kuenftig im Stil von Office 2007. Mit der Nutzung von Ribbons hinterlaesst das Frontend einen wesentlich aufgeraeumteren Eindruck beim Anwender. Die auf der Konferenz vorgestellten Funktionen gehen deutlich weiter im Vergleich zu den heutigen Moeglichkeiten mit Release 8. So ist es endlich moeglich auch fuer Berichtsentwickler wichtige Funktionen direkt im Web zu nutzen. Dies war in Release 8 sicherlich eine Schwaeche im Vergleich zu den groesseren Mitbewerbern wie Cognos oder Business Objects. Erklaertes Ziel von MSTR ist es immer mehr Funktionen des Full-Client schnellst moeglich im Web zur Verfuegung zu stellen. Dies scheint mit der neuen auf AJAX-basierenden Architektur deutlich leichter umsetzbar zu sein.
Workgroup BI
Die spannendste Erweiterung von MSTR 9 ist sicherlich die Moeglichkeit dezentrale, vom Fachbereich gesteuerte BI-Projekte direkt im Fachbereich umsetzen zu lassen. Mit Release 9 stellt MSTR ein Konzept und Tools vor, um die Workgroup-BI-Loesungen bei Interesse und Bedarf nach einiger Zeit in eine Enterprise-Reporting-Plattform zu ueberfuehren. MSTR reagiert damit auf den Erfolg von kleinen, fachbereichsbezogenen Werkzeugen die mit ihren einfachen und schnell aufzubauenden Loesungen eine verstaerkt Anklang in den Fachbereichen finden. Typischen Anwendern in den unterschiedlichen Abteilungen eines Unternehmens geht es primaer um die Umsetzungsgeschwindigkeit und die Einfachheit bei der Implementierung. Eine detailierte Beschreibung des Konzeptes finden Sie in unserer BI-Studie.
MicroStrategy nutzt In Memory Caching mit neuem Release cleverer
Mit dem ab Maerz 2009 verfuegbaren Release erlaubt MicroStrategy seinen Kunden Daten in einer eigenen Datenbank auf dem Applikationsserver abzulegen und so die Abfrageperformance zu verbessern. Interessant an der Architektur ist, dass Kunden keine Aenderungen an der Datenanbindungen oder an den entwickelten Berichten vornehmen muessen. Im Unterschied zu dem bekannten Caching, waehlt der Administrator gesamte Teilbereiche eines Datenmodells oder einzelne Objekte und speichert diese fuer einen schnelleren Zugriff in der In Memory-Datenbank von MicroStrategy. Dies erfolgt ueber eine eigene Oberflaeche zur Administration. Mit diesem Ansatz ist MicroStrategy der erste Anbieter, der ein eigene Datenbank als integralen Bestandteil in der Reporting-Plattform anbietet, die unabhaengig von der darunterliegenden Datenbank arbeitet. Andere Anbieter wie Business Objects, Cognos oder Oracle koennen zwar auch In Memory Technologien anbieten - diese sind jedoch als eigenstaendige Datenbanken konzipiert und nicht direkt in die Plattform integriert. Die Frage, ob es Aufgabe eines Frontend-Anbieters ist eine In Memory Datenbank zur Steigerung der Performance in die BI-Plattform zu integrieren, ist wohl pauschal nicht zu beantworten. Restriktion der Architektur von MicroStrategy ist aber sicherlich, dass die Loesung fuer MicroStrategy sehr gut integriert und ohne grossen Aufwand nutzbar ist - aber eben nur fuer MicroStrategy.
Multi Source BI - eine sinnvolle Erweiterung bei der Datenanbindung
Eine echte Verbesserung in der Anbindung von unterschiedlichen Datenquellen erfaehrt MicroStrategy mit dem neuen Release 9. In Zukunft wird es moeglich sein unterschiedliche Datenquellen in einer semantischen Schicht (project) zu kombinieren. Dies erlaubt Anwendern direkt in einem Bericht Daten auch aus unterschiedlichen Datenbanken zu kombinieren. So lassen sich beispielsweise Oralce 11g Daten mit einem Auszug aus Microsoft SQL Server 2005 direkt kombinieren ohne eine Verknuepfung von Daten durch den Berichtserstellers im Bericht. Die Definition der Verknuepfung erfolgt stattdessen in der semantischen Schicht durch den Administrator.Die Komplexitaet wird so fuer den Reportersteller deutlich reduziert und vereinfacht.
Weiterhin keine Planung im Portfolio
Gerade jetzt nach dem Rueckzug von Microsoft durch die Abkuendigung des PerformancePoint Servers ergibt sich wieder eine grosse Chance mit Planungsloesungen bei Unternehmen zu punkten. Auch bei strategischen Projekten werden haeufig Anbieter bevorzugt, die ein vollstaendiges Portfolio fuer Reporting, Analyse und Planung liefern koennen. MSTR fokussiert sich trotz der grossen Chancen und Moeglichkeiten weiterhin als der Spezialist fuer Dashboarding, Reporting und Analyse. Die Luecke wird auch mit Release 9 nicht geschlossen.
Bye, bye Narrowcast Server
Unter dem Namen Distribution Services verfolgt MSTR das Ziel, die bisher getrennten Funktionen im Narrowcast Server mit in die Plattform zu integrieren. Die Distribution Services haben die Ausrichtung die Self-Services fuer Endanwender zu erhoehen und die Abhaengigkeit bei der Informationsverteilung zu Administratoren und Power Usern zu kappen.
Fazit
Insgesamt haben die Neuerungen in MSTR 9 einen klaren Fokus auf Architektur und Technologie. Endanwender werden keine grossen Veraenderungen erkennen koennen. Der Grundstein fuer notwendige Erweiterungen ist mit Release 9 geschaffen, um in Zukunft weitere Verbesserungen im Web-Frontend einfacher und effizienter anbieten zu koennen. Das Konzept Enterprise-BI mit unabhaengigen BI-Loesungen des Fachbereichs ('Workgroup BI') auf einer Plattform abzubilden ist spannend - MicroStrategy muss jetzt beweisen, dass es auch in Unternehmen so gelebt werden kann. Hier die nach meiner Meinung wichtigsten Aenderungen noch mal im Ueberblick:
- Neues AJAX-Frontend
- In Memory DB auf der BI-Plattform
- Workgroup BI
- Multi Source Zugriff in einer semantischen Schicht
Panoratio zeigte uns bei BARC kürzlich ihr Produkt "Panoratio PDI". Es handelt sich hierbei um eine In-Memory Datenbank mit Frontend.
Panoratio positioniert sich selbst als Anbieter für die performante Datenbereitstellung und den Aufbau einer semantischen Schicht auf Basis bereits bestehender Data-Warehouse-Architekturen. Diese Schicht wird von Panoratio als "Lean Data Warehouse" bezeichnet und verwendet so genannte .pdi.Files, um die Daten und Metadaten zu speichern. Ursprünglich wurde die Technologie von Siemens entwickelt, um Messwerte von Gasturbinen aufzuzeichnen und zu analysieren.
Quelle: panoratio.de
Der Einsatz der Lösung zielt vor allem auf Anwendungen mit großen Datenbeständen (ab mehreren Mio. Datensätzen) und einer Vielzahl von Dimensionen ab. Im Krankenkassenbereich sind Referenzen mit bis zu 50 Dimensionen bekannt. Dies ist sicherlich einer der deutlichsten Unterschiede zu anderen Lösungen im Data-Warehouse-Umfeld.
Nach eigenen Angaben erreicht Panoratio eine Kompressionsrate von 1 zu 20 bis 1 zu 100. Um diese hohen Kompressionsraten zu erreichen, versucht Panoratio Muster in den Daten zu erkennen. Darauf basierend werden nur noch Abweichungen zu diesen Mustern gespeichert.
Stärke der Lösung ist sicherlich die Verarbeitung großer und vieler Dimensionen und großer Datenmengen mit der In-Memory Datenbank. Eine weitere Stärke liegt ebenso in der einfachen Administration der Lösung und somit auch im Zugang für einen versierten Fachbereich.
Das Frontend von Panoratio ist für die Auswertung der großen Datenmengen konzipiert. Nach dem ersten Eindruck im BARC-Labor ist es aber sicherlich eine Herausforderung mit den Marktgrößen in Bezug auf Funktionalität mithalten zu können. Aus diesem Grund ist es sicherlich spannend, dass Panoratio verstärkt auch Standardschnittstellen für Dritt-Werkzeuge im Frontend anbietet und anbieten wird. So ist eine Nutzung der In-Memory Technologie mit anderen Herstellern möglich. Bekannt sind uns in diesem Umfeld unter anderem SAP Business Objects, IBM Cognos, Bissantz und Microsoft.
Herausforderung der gesamten Lösung liegen sicherlich in einem restriktiven Betrieb bei Unternehmen. So sind auch in der Entwicklung von Panoratio Funktionen für Security und Administration ganz oben auf der Roadmap.
Eine detailierte Beschreibung finden Sie in der BARC BI Studie