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Die IT kann nicht mehr isoliert vom Geschäftsablauf betrachtet werden

12 Mai 2010


Interview mit Lars Frutig, Geschäftsführer Ramco Systems.

Das Jahr 2009 war geprägt von der Rezession. Wie haben Sie diese als ICT-Anbieter erlebt?

2009 haben wir die Chance der Globalisierung genutzt und unsere Position im Heimmarkt, im asiatischen Wirtschaftsraum und im Fernen und Mittleren Osten ausgebaut.

Ist die Rezession denn schon ausgestanden oder ist für den ICT-Sektor das Schlimmste erst noch zu befürchten?

Die Marktlage ist derzeit sicher angespannt, aber wir sehen gerade deshalb erhöhte Aktivitäten zur Optimierung der Geschäftsprozesse, wie in der Automatisierung oder zur verbesserten Ressourcennutzung. In diesen Bereichen spüren wir eine verstärkte Nachfrage und Investitionsbereitschaft. Ich denke, diese Entwicklung wird auch in den nächsten drei bis vier Jahren anhalten.

Welches Wachstum respektive welchen Rückgang erwarten Sie 2010 für Ihr Marktsegment?

In unseren vertikalen Märkten – Industrie, Banken und Versicherungen, Luftfahrt und öffentliche Verwaltungen – sind wir mit unterschiedlichen Produkten unterwegs. All unsere Produkte basieren dabei auf unserer Business Process Platform, die die gesamten Entwicklungsprozesse zu einem grossen Teil automatisiert und die Integration und Vernetzung von Applikationen in bestehende Prozesse und Systeme orchestriert. In den vergangenen Jahren sind wir vor allem im Luftfahrtbereich gewachsen. Wachstumspotenziale sehen wir mittelfristig besonders in der Dienstleistungsindustrie, wie bei Banken und Versicherungen. Sehr gutes Potenzial hat sicher auch unsere neue On-Demand-ERP-Lösung für KMUs. In den neuen Märkten sind wir mit dieser Lösung im Software-as-a-Service-Modell schon jetzt sehr erfolgreich unterwegs.

Rechnen Sie für Ihr Unternehmen mit einem Umsatzanstieg oder einem Umsatzrückgang?

Wir planen im Geschäftsjahr 2010 mit einem moderaten Wachstum, schliessen aber ein Wachstum im zweistelligen Bereich nicht aus.

Durch welche Faktoren wird die Entwicklung der Nachfrage nach ICT-Dienstleistungen und -Produkten in Ihrem Marktsegment derzeit massgeblich beeinflusst?

Verbraucher wollen in Zukunft intensiver in die Gestaltung von Produkten und Dienstleistungen einbezogen werden. Die einzige Konstante ist der Wandel und Geschäftsmodelle, operative und strategische Unternehmensausrichtungen werden sich daran orientieren müssen. Dies ist nur dann möglich, wenn die eigenen Geschäftsprozesse schnell, sicher und kosteneffizient umsetzbar sind. Das bedeutet aber auch, dass die IT immer mehr ins Business integriert und kaum mehr isoliert vom Geschäftsablauf betrachtet werden darf.

Auf welche Themen und Trends werden Sie sich im kommenden Jahr fokussieren?

Mittelfristig werden wir in sämtlichen Ländern mit einer eigenen Niederlassung präsent sein müssen. Indien wird Produktionszentrum bleiben. Wir sehen eine evolutionäre, pragmatische Entwicklung. MDA, SOA und freie Technologiewahl als Lösungsansatz steht fest.

Mit welchen hauptsächlichen Problemen struktureller Art oder politischer Natur hat der
ICT-Werkplatz Schweiz derzeit am meisten zu kämpfen?

Wir Schweizer neigen gelegentlich dazu, dass wir alles lieber im Alleingang machen. Letztlich geht es doch darum, gemeinsame Anliegen, Herausforderungen und Fachkompetenzen voranzutreiben und neben einer gezielten Nachwuchsförderung auch die Personenfreizügigkeit nach Fachkompetenzen und weniger nach Herkunft auszurichten.


Lars Frutig ist Geschäftsführer von Ramco Systems Ltd. E-Mail: lfrutig@ramco.ch


Das Interview ist im Schweizer ICT-Jahrbuch 2010 [© Netzmedien AG 2010] erschienen. Weitere Informationen zu Publikationen der Netzmedien AG finden Sie hier: http://www.netzwoche.ch/App/Mediadaten.aspx

SOURCE: Die IT kann nicht mehr isoliert vom Geschäftsablauf betrachtet werden


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