Einige Jahre ist es her, seitdem Ambuj Goyal das Staffelholz von Janet Perna als Chef der Sparte Information Management der IBM Software Group übernahm. Seinerzeit galten die
Datenspeicherlösungen der IBM rund um die Datenbanken DB2 und IMS als Herzstück des Angebotes. Im Jahre 2006 wurde das Konzept des Information on Demand vorgestellt, das zum Ziel hat,
Unternehmen die notwendige Infrastruktur zu liefern, um Unternehmensinformationen zur richtigen Zeit, in der richtigen Form und in einer guten Qualität zu liefern. Ein Ziel, das zwar nicht neu
war, das aber nach Ansicht von IBM nach wie vor für die meisten Unternehmen eine Herausforderung darstelle. Und außerdem ein Ziel, das mit Datenspeicherlösungen alleine keinesfalls
erreicht werden kann. Als Hauptkonkurrenten der IBM im Softwaremarkt gelten die Hersteller SAP, Oracle und Microsoft. Während SAP und Oracle das Ziel der integrierten Systeme auf Basis von
Applikationen adressieren, fokussiert sich IBM vor allem auf die Bereitstellung von Infrastruktur. Zwar stellt sich Microsoft in ähnlicher Form auf. Anders aber als bei der Konkurrenz aus
Redmond, soll diese Infrastruktur bei IBM vor allem auf offenen Standards basieren, Plattform-unabhängig sein und die Integration von Komponenten anderer Hersteller ermöglichen,
beispielsweise von Nicht-IBM-Datenbanken.
Die Zeit der „Application Agenda“ ist vorbei
Ende Oktober fand in Las Vegas die Fachkonferenz IBM Information on Demand 2008 statt, auf der Big Blue die neuesten Entwicklungen seiner Information- on-Demand-Strategie vorstellte. Laut Ambuj
Goyal, der gemeinsam mit Steve Mills, Senior Vice President der IBM Software Group, die Konferenz eröffnete, sind die Zeiten der reinen Automation mit Hilfe von IT vorbei. Vielmehr gehe es
zunehmend um die Optimierung des Geschäftes, was aber nur mit Hilfe einer integrierten Sicht auf Unternehmensinformationen gelingen kann. Laut Goyal sind die Zeiten einer „Application
Agenda“ vorbei: „Heute benötigen Unternehmen eine Information Agenda.“ So war am Veranstaltungsort auf unzähligen Plakaten die Frage zu lesen, ob auch das eigene
Unternehmen bereits über eine solche Agenda verfüge. Falls nicht, wäre vor allem die IBM optimal aufgestellt, um bei der Schaffung der individuellen Information Agenda einen
signifikanten Beitrag zu leisten. Durch sein Wachstum im Segment Information Management sieht sich IBM in seinem Konzept bestätigt: Seit 2006 konnten mehr als 10 000 neue Kunden und mehr als
2000 neue Partner gewonnen werden und der Umsatz stieg pro Jahr um 20 Prozent. Auch die Teilnehmeranzahl bei der IBM Information on Demand 2008 spiegle diesen Trend wider: Gab es in 2006 rund 5000
Fachbesucher, so waren es in diesem Jahr bereits rund 7000 Teilnehmer.
Vorstellung von Foundation Tools und Information Accelerators
Was aber ist eine Information Agenda und was gehört dazu? Herzstück ist zunächst das Software-Angebot der IBM, das zuletzt vor allem durch die Akquisition von Cognos komplettiert
wurde. So verfügt das Unternehmen nun über ein End-to-End-Portfolio von Lösungen zur Unterstützung eines integrierten Informationsmanagements. Dieses Portfolio unterstützt
sowohl den Aufbau eines klassischen Data Warehouse als auch operative Anforderungen, wie beispielsweise Near-Time-Analyse, Business Activity Monitoring oder Enterprise Information Integration. Im
Vergleich zu den Mitbewerbern, die sich ebenfalls durch Zukäufe im letzten Jahr gestärkt haben, sieht sich die IBM durch eine weitgehend technologisch überlappungsfreie
Akquisitionsstrategie im Vorteil. So müssten sich die Konkurrenten zunächst der Integration und Konsolidierung der zugekauften Lösungen widmen, während die Produktentwicklung bei
IBM sich bereits auf Innovationen fokussieren könne. So wichtig diese Softwarekomponenten auch seien, sie reichen aber nicht aus, um die benötigte Information Agenda zu realisieren.
Einerseits sieht IBM die Notwendigkeit, die eigenen Software-Angebote stärker in Richtung wiederverwendbarer Komponenten zu entwickeln, die auch in heterogenen Umgebungen anwendbar sind. Diese
Anforderung wird mit der neuen Strategie der Foundation Tools adressiert. Hier sind Bestandteile der Information-Integration-Lösungen neu gebündelt und zielen vor allem in Richtung eines
von Datenintegrations- und Business-Intelligence-Lösungen unabhängigen Managements der Metadaten. Eine weitere wichtige Komponente sind die so genannten Information Accelerators. Hierzu
gehören über 140 branchenspezifische Blaupausen und Schablonen, entstanden im Rahmen vieler IBM-Projekte zur Unterstützung von Business Performance Management, also zur Integration,
zum Management und zur Analyse von Unternehmensinformationen. Aber auch die Service-Sparte der IBM kommt in der Information Agenda zum Zuge: So genannte Information Agenda Guides & Workshops
sollen bei der individuellen Bedarfsanalyse unterstützen. Ebenfalls wird Hilfe beim Aufbau des benötigten „Information On Demand Competency Centers“ angeboten.
Weniger technologische Marketingsprache …
Wirklich innovativ wirken die neuen Ankündigungen indes nicht. IBM propagiert seit einigen Jahren den Ansatz der offenen Softwarelösungen, wobei die Praxis nicht immer das hält, was
das Marketing verspricht. Neueste Ankündigungen sowie vertrauliche Informationen aus der Entwicklung lassen durchaus darauf vertrauen, dass IBM dieses Ziel sehr ernst nimmt. So sollen
beispielsweise neue Anstrengungen zur Vereinfachung der Verwaltbarkeit von Datenbanksystemen auch heterogene Datenbank-Architekturen unterstützen, was bereits heute am Stand der Entwicklung von
Data Studio gut erkennbar ist. Auch die Service-Angebote sind nicht grundsätzlich neu. Neu ist aber die konsequente Bündelung der IBM-weiten Kräfte sowie der Versuch, eine weniger
technologisch geprägte Marketingsprache zu wählen und mehr die Lösung von Business-Problemen zu adressieren. Und dies nicht ohne Grund: SAP und Oracle haben mit ihrer nach
Überzeugung der IBM veralteten „application agenda“ die Fachanwender im Visier, und viele Kaufentscheidungen für Softwarelösungen werden im Fachbereich getroffen. Dieses
Zielpublikum zu erreichen, fiel IBM schon immer etwas schwerer. Inwiefern das nun mit dem Konzept der Information Agenda und den zugehörigen Komponenten gelingt, bleibt abzuwarten. Es wird
sicherlich nach wie vor einem Fachanwender schwerfallen, die Wertigkeit einer Infrastruktur zur Lösung eines konkreten Business-Problems einzuschätzen. Da fühlen sich viele Anwender
mit einer dedizierten Software-Applikation eher verstanden, wenn auch die Fragen der Integration in die restliche Software- und Informationslandschaft des Unternehmens damit zunächst meist
unbeantwortet bleiben.
… für komplexeres Angebot
Nach Ansicht von IBM hindern aber insbesondere eine schwache Informationsarchitektur und schwache Information-Governance-Prozesse Unternehmen daran, schnell auf neue Informationsbedürfnisse
reagieren zu können. Hier soll das Konzept der Information Agenda ansetzen, das die technischen, aber auch methodischen und organisatorischen Bausteine liefern soll, eine heterogene
Applikationsarchitektur integriert zu betreiben. An technologischen Innovationen zur Erfüllung zukünftiger Businessanforderungen soll es IBM-Kunden ebenfalls nicht fehlen. In Las Vegas
wurde über aktuelle Entwicklungen unter anderem in den Bereichen Event Processing, Collaboration, Cloud Computing, Streaming, MapReduce, Mashups und Appliances berichtet, die jeweils einen
eigenen Beitrag leisten können zur Verwirklichung eines den wachsenden Anforderungen gerechten „business-driven Performance Management“. Komplexer wird das Angebot der IBM dadurch
allemal. Bislang fiel es bereits vielen Kunden schwer, die umfangreiche Produktpalette der IBM zu verstehen und auf die eigenen Bedürfnisse zu projizieren. Die Vertriebsmannschaft von IBM hat
teilweise durch widersprüchliche Vertriebsstrategien der einzelnen Sparten zur Verwirrung beigetragen. Jetzt ist ein Trend zur Integration des eigenen Angebotes zu erkennen. Zur Information
Agenda gehören nämlich über Software hinaus auch Hardware und Serviceleistungen. Es bleibt abzuwarten, wie erfolgreich IBM das Konzept der Information Agenda am Markt platziert.
Dieser Artikel ist in Ausgabe 12/2008 des
is report erschienen. Der Abdruck erfolgt mit freundlicher Genehmigung der Fachzeitschrift
is report. Mehr
Informationen unter
www.isreport.de
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Jacqueline Bloemen
Jacqueline Bloemen ist Geschäftsführerin der BeKS (Business eKnowledge
Solutions) sowie Senior Analystin Data Warehousing und Business Intelligence für BARC
(Business Application Research Center).
Als Beraterin und Coach unterstützt sie seit rund 20 Jahren Unternehmen verschiedener Branchen und Größen bei der IT Strategie- und Architekturentwicklung für Business
Intelligence, Data Warehousing und Datenintegration. Hierzu zählen auch Technologie- und Architekturauswahl, Projektplanung und Durchführung basierend auf Best Practices, sowie
Performance Optimierung für komplexe und umfangreiche Datenmanagementlösungen. Neben den umfangreichen Erfahrungen mit BI-Systemen und deren Implementierung unterstützt sie als
langjährige Beobachterin und Beraterin des BI-Softwaremarktes internationale Anwendergemeinden mit Vorträgen, Erfahrungsberichten und Studien.
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