Business Intelligence – Allheilmittel in der Krise?!

24 September 2009

Selten waren sich die Analystenhäuser so einig wie heute: Business Intelligence (BI) und Performance Management (PM) können Unternehmen sinnvoll unterstützen, die wirtschaftliche Flaute zu überstehen. Gleichzeitig sollen sie dazu beitragen, gerade in der Krise Chancen zu erkennen und zu nutzen.

Und es klingt ja auch so schön – mit BI und PM stehen quasi auf Knopfdruck detaillierte Informationen über brennende Fragen zur Verfügung: Welches Produkt verkauft sich erfolgreich? Kränkeln Absatzmärkte? Welche Marketingstrategie sorgt für Umsatz? Welche Investitionen bergen Risiken? Kein Wunder, dass bei einer Umfrage von Pierre Audoin Consultants 90 % von 120 befragten Unternehmen Performance Management als Topthema nannten – 34 % der Befragten planten die Implementierung, während 62 % bereits eine Lösung im Einsatz hatten.

Doch wenn Performance Management die eierlegende Wollmilchsau mit prophetischer Begabung ist, warum spielen dann immer noch so viele Unternehmen Kaninchen vor der Schlange? Anstatt schnell zu reagieren, erstarren sie tatenlos aus lauter Angst, die falschen Entscheidungen zu treffen. Warum gibt es "notleidende Banken" – übrigens Unwort des Jahres 2008 – wenn doch alle Finanzinstitute mit umfassenden Risiko-Management-Systemen ausgestattet sind? Warum schaffen es viele Entscheidungsträger trotz Performance Management nicht, ihre Strategien an die veränderten Bedingungen anzupassen?

„In God we trust, all others bring data“, hat William Edwards Deming, US-amerikanischer Physiker, Statistiker sowie Qualitätsmanagement- Guru, gesagt. Doch in den Daten liegt die Krux: Sie sind nur dann wertvolle Basis zur Entscheidungsfindung, wenn sie vollständig, aktuell, überall verfügbar und verlässlich sind. Doch der Weg zu einem aussagekräftigen Informationssystem ist voller Tücken und erfordert eine langfristige Strategie. Verschiedenste Bausteine müssen zusammenspielen, damit Informationen reibungslos und schnell von der Quelle zum Entscheider fließen. Ausgeklügelte Logarithmen sind vonnöten, um Daten aus verschiedenen Blickwinkeln zu betrachten, in Beziehung zu setzen und Was-wäre-wenn?-Szenarien durchzuspielen. Doch um die viel gepriesene „Single Version of the Truth“ zu erreichen, bedarf es einer integrierten Unternehmenssteuerung, bei der vielfältigste Informationen zusammenfinden. Hierzu gehören Daten aus Abrechnungs- und Personalsystemen, CRM-, ERPund SCM-Anwendungen sowie aus externen Quellen. Fehlt oder schwächelt jedoch ein Systembestandteil, leidet die ganze Kette. Die Folgen sind uneinheitliche oder gar widersprüchliche Informationen und damit der Vertrauensverlust in das System.

Die strategische Umsetzung sehen auch die Analysten bei Gartner als schwierigste Herausforderung: Von einem ganzheitlichen Vorgehen sei die große Mehrheit der befragten Unternehmen beim Einsatz von BI noch weit entfernt. Die Lücke zwischen Bedeutung und Nutzung sei einfach zu groß, hieß es auf Gartners BI-Summit im Januar. Gartner Analyst Bill Hostmann erklärt, dass Unternehmen trotz hoher Investments oft daran scheitern, Business Intelligence mit dem eigentlichen Geschäft zu verbinden. Zudem gelänge es oft nicht, Anwendern die Excelkultur auszutreiben und sie in das BIProjekt zu involvieren. Doch die Zeit drängt und Unternehmen erwarten, dass ihre ITVerantwortlichen ihnen in der Finanzkrise mit BI- und Performance Management Systemen maßgeblich dabei helfen, das Geschäft anzupassen und zu verbessern.

Was ist also kurzfristig und ohne hohes Investment zu tun, um an eine bessere Informationsbasis zu gelangen? Karsten Oehler vom IBM Competence Center für strategisches BI bringt es auf den Punkt: „An einer langfristigen Roadmap führt kein Weg vorbei. Wer sich zunächst keine Plattform-Architektur mit Data Warehouse leistet, muss zumindest so planen, dass die Lösung nachträglich auf ein Data Warehouse passt.“ Dann könne es in kleinen Schritten weitergehen. Als geeigneten Kandidaten nennt Oehler den Planungsprozess: „Das muss nicht gleich die integrierte Unternehmensplanung sein, aber da die Forecast-Gestaltung unabhängig von der Datenversorgung ist, ist es möglich, den Forecast häufiger zu überarbeiten und rollierend zu gestalten.“ Zusammen mit der Überarbeitung des Forecasts sei auch das Erfassen der Risiko-Positionen möglich. „Um den Regelkreis aus Planung, Überwachung, Analyse und erneuter Planung jedoch perfekt zu machen, ist die Aufbereitung aller relevanten Datenquellen unumgänglich.“

Damit kommt Oehler zum selben Schluss wie die Analystenhäuser: Performance Management hilft in Zeiten wirtschaftlicher Turbulenzen, den Überblick zu behalten – aber nur, wenn die Datenqualität stimmt und eine integrierte Unternehmenssteuerung die Basis bildet.

Quelle: IOD Insider

Diese BeyeNETWORK Meldung enthält Informationen aus einer aktuellen Pressemitteilung des genannten Unternehmens.


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