BI-Competence Center

8 Oktober 2008

Häufig finden sich in den Unternehmungen heute eigenständigen Organisa-tionseinheiten, die für das Thema Business Intelligence verantwortlich zeichnen. Kemper und Unger präsentieren das Ergebnis einer empirischen Untersuchung, bei der mehr als 80% der Unternehmen mit einem Jahresumsatz größer als 1 Mrd. Euro eigenständige BI-Abteilungen betreiben [Unger, Kemper 2008: 145]. Diese oftmals als BI-Competence Center (BI-CC) bezeichneten Organisationseinheiten befinden sich stets in einem schwierigen Spannungsfeld zwischen den Fachbereichen, die als Anwender, als Auftraggeber und damit letztlich als Finanzierer fungieren, und dem IT-Bereich, der in der Regel zumindest für den Betrieb der IT-Lösungen zuständig ist. Dazu kommen noch die Vorgaben der übergeordneten Unternehmenshierarchiestufen, die es zu beachten und umzusetzen gilt. Insofern müssen die BI-Organisationseinheiten einen Ausgleich zwischen unter-schiedlichen Ansprüchen, Vorstellungen und Notwendigkeiten finden, der nur mit ausgeprägten Moderationsfähigkeiten zu erreichen ist.


Aufgabenbereiche eines BI-Competence Centers

Ein BI-Competence Center verantwortet sowohl die fachliche als auch die technologische Entwicklung der zughörigen Systeme und soll durch das ganzheitliche und tiefer gehende Verständnis der Thematik zu besseren Gesamtlösungen führen. Konkret ist das BI-CC für die langfristige Ausrichtung, die organisatorische Einbettung und den konzeptionellen Rahmen der zu implementierenden Systeme zuständig, nicht jedoch oder nur in Teilen für Betrieb und Implementierung. Als Aufgaben eines derartigen BI-Competence Centers lassen sich verankern:

  • BI-Strategieentwicklung,
  • Konzeptionelle Beratung,
  • Strukturierung und Priorisierung von Anforderungen nach fachlichen Inhalten,
  • Schulung und Betreuer der Anwender,
  • Organisation des Know-how-Transfers innerhalb der Organisation,
  • Organisation und Führung von Schlüsselanwendern (Key User),
  • Entwicklung und Anwendung von Methoden und Prozessen des BI-Projektmanagements und
  • Management von BI-Service Level Agreements (SLAs).

Daneben ist das BI-CC auch für den Themenkreis BI Governance zuständig, dem in den Unternehmen eine stetig wachsende Bedeutung beigemessen wird. Kemper und Finger definieren BI-Governance als Teil der IT-Governance, der die Themenbereiche „organisatorische Einbindung sowie prozessuale Gestaltung und Steuerung des gesamten BI-Kontextes eines Unternehmens umfasst, um eine konsequente Ausrichtung des BI-Konzeptes an der Gesamtstrategie des Unternehmens sicherzustellen“ [Kemper, Finger 2008: 31].


Organisatorische Einbettung eines BI-Competence Centers

Hinsichtlich der organisatorischen Einbettung in die Unternehmensstrukturen lassen sich unterschiedliche Ausprägungen beobachten. Während einige Unternehmungen ihr BI-CC als Abteilung im IT-Bereich positionieren, wählen andere bewusst die Angliederung an eine Fachabteilung (z. B. Unternehmens-entwicklung oder Controlling) oder eine direkte Anbindung an die Unternehmensleitung [Unger, Kemper 2008: 146]. Wieder andere Unternehmen gründen eigenständige Tochterunternehmen, in denen die Dienstleistungen zusammen gefasst werden, die sich zwischen Fachbereich und IT ansiedeln lassen. Auch wenn die Gründe für die unterschiedlichen Zuordnungen vielschichtig sein und zum Teil schlicht in der historischen Entwicklung ihren Ursprung finden dürften, prägt die Art der organisatorischen Eingliederung ein Stück weit das jeweilige Selbstverständnis des BI-CC.


Verantwortungsfelder und Rollen

Das BI-CC hat die wesentliche Aufgabe, als Moderator zwischen Fachbereich und IT einen Ausgleich zwischen unterschiedlichen Interessen und Sichtweisen herzustellen. Als unabdingbare Voraussetzung zur erfolgreichen Bewältigung dieser Aufgabe gilt es, Mitarbeiter zu integrieren, die sich sowohl mit den fachlichen Herausforderungen wie auch mit der technischen Umsetzung auskennen. Nur so kann eine Kommunikation und Zusammenarbeit zwischen den verschiedenen unternehmerischen „Welten“ gelingen. Als hilfreich erweist es sich dabei, für die Mitarbeiter im BI-CC diverse Rollen zu definieren, die durch geeignete Personen auszufüllen sind.
Als unverzichtbare Rollen, die in einem BI-Competence Center zu besetzen sind, lassen sich BI Programm Manager, Business Analyst/Architect, Data Steward und Technischer Berater anführen [Gansor 2008: 56]:

  • Als leitender Mitarbeiter im BI-CC verantwortet der BI Programm Manager den Gesamterfolg seines Bereichs und legt zentrale Standards und Vorgaben fest, wie auch die BI-Strategie. Ihm fällt ebenfalls die Aufgabe zu, auf unternehmenspolitischer Ebene zwischen IT-Leitung und Leitung des jeweiligen Fachbereichs einen akzeptablen Ausgleich bei Interessenkollisionen zu schaffen.
  • Der Business Analyst/Architect hat seine Wurzeln im Fachbereich und kennt die fachlichen Aufgaben sowie die damit verknüpften Geschäftsprozesse und Informationsbedürfnisse ausgesprochen gut.
  • Demgegenüber kümmert sich der Data Steward insbesondere um die Datenqualität und die damit verknüpften Maßnahmen bzw. Projekte. Überdies wird durch seine Mitarbeit die abteilungsübergreifende Harmonisierung der Datenbestände entscheidend forciert.
  • Schließlich konzipiert und überwacht der Technische Berater technische Frameworks (wie Rahmenarchitekturen) sowie die Umsetzung im Einzelfall. Diese Tätigkeit setzt ein ausgeprägtes technisches Verständnis sowie einen breiten Überblick über derzeit eingesetzte und allgemein verfügbare Architekturen und Produkte voraus.

In Abhängigkeit von einer eher technischen oder eher betriebswirtschaftlich-fachlichen Ausrichtung des BI-Competence Centers werden zusätzlich weitere Rollen aufgeführt, wie beispielsweise BI/DWH-Architekt, Front-End-Entwickler, ETL-Entwickler, Testentwickler/Tester sowie Projektleiter/-manager und Coach/Trainer.


Zusammenfassung

Zusammenfassend lässt sich festhalten, dass bei der Umsetzung von Business Intelligence-Initiativen im konkreten Unternehmensumfeld eine geeignete strategische Verankerung des Themas in der Aufbauorganisation als wesentlicher Erfolgsfaktor zu verstehen ist. Als zielführend erweist sich oftmals die Etablierung einer separaten Organisationseinheit, die sich als Business Intelligence Competence Center heute bereits in zahlreichen Organisationen findet.



Literatur
Gansor, T. (2008): BI Competency Center. Organisation für die nachhaltige Implementierung einer BI Strategie. 7. Europäische TDWI-Konferenz. München 04.06.08

Kemper, H. G.; Finger, R. (2008): BI-Governance: Wer darf was in Entwicklungs- und Betriebsphasen?. 7. Europäische TDWI-Konferenz. München 02.06.08

Unger, C.; Kemper, H. G. (2008): Organisatorische Rahmenbedingungen der Entwicklung und des Betriebs von Business Intelligence - Ergebnisse einer empirischen Studie. In: Bichler, M. et. al. (Hrsg., 2008): Tagungsband zur Multikonferenz Wirtschaftsinformatik 2008. Berlin: Gito. S. 141-153


  • Peter GluchowskiPeter Gluchowski
    Beschäftigt sich seit rund 20 Jahren mit Fragestellungen, die den praktischen Aufbau dispositiver bzw. Analytischer Systeme zur Entscheidungsunterstützung betreffen. Seine Erfahrungen aus unterschiedlichsten Praxisprojekten sind in zahlreichen Veröffentlichungen zu diesem Themenkreis dokumentiert.

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