15 Dezember 2008
Praktisch alle sind sie da: Mit den Business-Intelligence- Anwendungen Egde 3.0 und Crystal Reports Server 2008 adressiert SAPs Analysetochter Business Objects verstärkt kleine und mittlere
Unternehmen. Durch den Kauf von Business Objects ist die SAP laut Gartner-Zahlen mit einem Anteil von 26,3 Prozent klarer Marktführer bei Business-Intelligence-Plattformen. Die fusionierte
IBM/Cognos kommt mit 14,7 Prozent auf Platz zwei. Danach folgen SAS und Oracle mit Hyperion. Microsoft hat zum Beispiel mit der Aufwertung seines Office-Excel-Pakets dafür gesorgt, dass
mittelständische Betriebe, die ohnehin in großem Stil mit diesem Programm arbeiten, nun damit erste Schritte in Richtung BI machen können. Auch Open- Source-Lösungen setzen
verstärkt auf Excel auf. Noch spannender für den Mittelstand sind die aktuellen Produkte wie der Microsoft Office SharePoint Server 2007 und der Microsoft Office PerformancePoint Server
2007. IBM hat eine BI-Lösung auf den Markt gebracht, die speziell den Mittelstand adressiert. Dabei handelt es sich um vorkonfigurierte Pakete aus Software, Hardware und Diensten.
IBM hat zudem mit Dynamic Warehousing eine umfassende Strategie für ein dynamisches Informationsmanagement vorgestellt. „Bei dieser Lösung sind wir völlig offen“, betonte
kürzlich Boris Bialek, Programmdirektor IBM Datamanagement Solutions weltweit, im BI-Spektrum- Interview. In der Tat: Die IBM Premium Business Partner Profi Engineering Systems AG und die SVA
GmbH bieten jetzt die seit Mai 2008 im Handel befindliche edition M als SAS-Lösung für den Mittelstand vorkonfiguriert auf einem IBM-System an und liefern damit ein weiteres Beispiel, wie
die Großen versuchen, sich das Feld Mittelstand zu erschließen. Das modular aufgebaute Gesamtpaket aus SAS edition M, IBM Server und Dienstleistungen spielt in der Preisklasse von rund
33.000 Euro. „Interessierte Mittelständler können die Leistungsfähigkeit des Softwarepakets einen Monat lang zu einem Preis von 5.000 Euro testen, der beim Kauf natürlich
angerechnet wird“, betont Jürgen-Heinrich Rohr, Director Midmarket & Channel bei SAS Deutschland, im Gespräch mit BI-Spektrum.
Seit der Vorstellung der edition M im Mai zählt SAS bereits rund 100 Kunden aus dem Segment Midmarket, ein Begriff, der freilich ebenso unscharf ist wie der des Mittelstands. Laut Wolf
Lichtenstein, General Manager und Sales Director bei SAS Deutschland, fängt der Midmarket bei einem Jahresumsatz von 200 Millionen Euro an und hört bei einer Milliarde Euro erst
allmählich auf. „Je nach Branche entspricht das in etwa einer Beschäftigtenzahl von 500 bis 1.000 oder mehr Mitarbeitern“, erläuterte er kürzlich auf dem SAS Forum
Deutschland in Münster. Rohr beziffert das anzusprechende Potenzial in Deutschland auf 8.000 bis 10.000 Unternehmen – und zwar gezählt ohne selbstständig operierende
Konzerntöchter oder als Profit Center operierende Niederlassungen. Die interessanten Bereiche: Fertigungsindustrie, Dienstleistung und Handel sowie Automotive. Der Nutzen der Paketlösung
soll sich vor allem im Controlling und in der Steuerung, im Vertriebscontrolling, in der Absatzplanung, aber auch ansatzweise schon in Predictive Analytics entfalten. Rohr verspricht aufgrund
erster Erfahrungen einen Return-on-Investment von nur zwei bis drei Monaten. „Wir flanschen alle Systeme dieser Kunden an, gleich, ob es sich um Enterprise Resource Planning von Sage oder
SAP, um kryptische Datenbanken oder proprietäre Lösungen handelt“, zeigt er sich zuversichtlich. Ein besonders interessantes Angebot für diese Gruppe von Unternehmen steht
unter dem Motto: ein Tag mit Ihren Daten. Dabei werden SAS oder Partneranbietern relevante Geschäftsprozessdaten auf DVD oder einem USB-Stick geliefert, die dann quasi nach allen Regeln der
Kunst durchleuchtet und ausgewertet werden.
Unter Abnicken des US-amerikanischen Mutterhauses in Cary, North Carolina, wurde die edition M exklusiv für das mittelständisch orientierte Deutschland entwickelt, wie Rohr betont.
„Dort, wo die Lösungen zum Einsatz kommen, macht die Arbeit richtig Spaß“, berichtet SAS Deutschland- Chef Lichtenstein. „Denn damit kann man einen
mittelständischen Geschäftsführer wirklich glücklich machen.“ Um solche glücksspendenden Programme unter die Leute zu bringen, hat SAS ein Channelpartner- Programm
für den Mittelstand ins Leben gerufen. Partnerder ersten Stunde sind die syngenio AG, SP Integration sowie die bereits erwähnten Profi AG und SVA GmbH. Zehn bis 15 Vertriebspartner sollen
es laut Rohr am Ende sein. Die Reseller können Systemhäuser, Value Added Reseller, Systemintegratoren und unabhängige Softwareanbieter mit spezifischem Fach- und Branchenwissen sein.
„Wichtigste Voraussetzung, um SAS-Reseller zu werden, sind profunde Kenntnisse der Belange mittelständischer Unternehmen. SAS möchte das Midmarket- Portfolio mittelfristig nur noch
über den indirekten Vertrieb adressieren“, sagt Rohr. Auch andere europäische Länder sollen jetzt angegangen werden.
Kabel Baden-Württemberg gehört zu den ersten edition- M-Kunden. Eingestiegen mit dem Standard-Paket hat der Kabelnetzbetreiber mittlerweile auf edition M Premium aufgestockt. Zwischen
diesen beiden Versionen liegt die zweite Stufe Professional. Auf den Punkt gebracht konsolidiert und aggregiert Kabel BW damit seine – im technischen und im Business-Bereich höchst
unterschiedlichen – Kennzahlen, um zu einer ganzheitlichen Geschäftssicht als solider Basis für das Reporting zu kommen. CarGarantie, spezialisiert auf Garantie- und
Reparaturkostenversicherungen für Kraftfahrzeuge, greift mit SAS edition M auf SAPDaten zu, analysiert diese und veredelt sie zu aussagekräftigen und übersichtlichen Reports. Der
Support für Geschäftstätigkeiten kennt dabei übrigens kaum Grenzen: Wer zum Beispiel als mittelständisches Unternehmen beim Aufbau eines Filialnetzes Unterstützung
benötigt, der kann sich der Dienste eines anderen Mittelständlers versichern: microm – ein Unternehmen der Creditreformgruppe mit rund 40 Mitarbeitern – ist einer der Anbieter
für Consumer Marketing im deutschsprachigen Raum mit Hauptsitz in Neuss. Microm beschäftigt sich mit der Standortbewertung und der Filialnetzoptimierung durch mikrogeografische Analysen.
Mithilfe sogenannter probabilistischer Modelle und Verfahren der Georeferenzierung anhand der Daten von Häusern und ihrer Bewohner hilft das Unternehmen dabei, Kundenpotenziale im
Einzugsbereich geplanter Filialen zu identifizieren. „Wir können die voraussichtliche Attraktivität unterschiedlicher Standorte simulieren“, erzählte Andreas Strade,
Senior Projektmanager bei microm, im BI-im-Mittelstand-Track auf dem SAS Forum. Wenn also demnächst Heinrich Deichmann, Inhaber des Familienunternehmens und der Schuhladenkette Deichmann in
dritter Generation, eine neue Filiale plant, kann er mit den Methoden der Georeferenzierung schon mal prüfen lassen, ob genügend potenzielle Käufer sich in der Nähe ihre Schuhe
ablaufen. Auch bei Deichmann mit seinen rund 2.300 Schuhgeschäften in 18 Ländern wäre der Begriff Mittelstand sehr relativ. Aber BI muss eben von groß nach klein einsickern
– und das ist kein kurzer Weg.
|
Exklusiv-Veröffentlichung aus BI-Spektrum, Ausgabe 4-2009. Bitte beachten Sie, dass die Urheberrechte bei den Autoren liegen. Bestellen Sie Ihr Mini-Abonnement von BI-SPEKTRUM für nur 15,- € (statt 54,- € für Einzelhefte)! Klicken Sie hier: https://secure.sigs-datacom.de/register/pub/aboservice_bi.php |
Aktuelle Artikel von Ulrich Schmitz
Kommentare
Möchten Sie den Beitrag kommentieren? Login oder Registrieren Sie sich heute!